Märchen für Groß und Klein

Wohin gehen deine Gedanken?


 Gaby fasste mit ihrer Hand nach einem vorwitzigen Sonnenstrahl, der auf ihrer Nase tanzte. Sie sollte schon längst mit ihrer Hausaufgabe fertig sein, aber das Spiel mit den Sonnenstrahlen fand sie viel lustiger. Gaby besuchte die zweite Klasse der Volksschule. Sie versuchte die Lichtkugeln zu fangen, die nun über die Tischdecke hüpften. »Na wartet, eine von euch erwische ich schon noch«
   „Bitte, nicht schlagen!“
Gaby schaute sich erstaunt um. Niemand war im Garten außer ihr zu sehen. 
   „Ist da jemand?“ fragte sie.
    „Ja, sieh doch genau hin. Wir sind Einhorn-Orbs.“
Gaby berührte mit ihrer Hand vorsichtig eine der hellen Kugeln. Ihre Gedanken überschlugen sich. 
   „Ich sehe nur ein helles Licht.“
  „Nicht anstrengen, Gaby. Ganz locker bleiben, du hast doch ein offenes Herz.“
   Gaby atmete tief durch. Ja, jetzt sah sie es. In den Kugeln befanden sich geflügelte Wesen. Es war ein Anblick, der ihr Herzklopfen verursachte. „Schön“, meinte sie und bewunderte die vielen unterschiedlichen Farben der Kugeln.  
   „Einhörner habe ich mir immer anders vorgestellt. Viel größer.“
   „Oh, wir haben uns gedacht, wenn wir dich in voller Größe besuchen, würdest du vielleicht Angst bekommen.“
  „Da habt ihr Recht.“ Gaby begann die bunten Lichtkugeln zu zählen. Sie gab es aber bald auf, denn es waren ihrer sehr viele, die sich dazu noch ständig bewegten. „Ich freue mich über euren Besuch. Von wo kommt ihr?“
   „Wir kommen von jenseits der Welt, wie du sie mit deinen Augen wahrnehmen kannst.“
   „Kommt ihr aus der Geisterwelt?“ fragte sie erschrocken.
   „Ja. Für die Menschen sind die Welten, die sie nicht sehen können, eine Welt der Geister. Doch in diesen Welten wohnen auch die Engel, die Naturgeister und auch wir Einhörner. Unter anderem“, fügte der Sprecher hinzu. 

   „Toll. Erzähl mehr davon, bitte! Bist du der Sprecher der Gruppe? Wie heißt du?“
   „Es ist nötig, dass wir in Gruppen zu den Menschen kommen, weil oftmals die gemeinsame Energie mehrerer Einhörner nötig ist, um uns den Menschen zu zeigen. Ich spreche mit einer Stimme für uns alle. Man nennt uns Orbs. Wir sind gekommen, weil wir dir etwas über Energie erzählen möchten und dich darüber aufklären wollen, wohin deine Gedanken gehen. Wir haben viele Kinder beobachtet und festgestellt, dass die meisten von euch glauben, dass es nicht wichtig ist, wie sie denken und reden. Doch darin irrt ihr euch. Sogar sehr!“
   „Ist das so wichtig, dass ihr mich sogar deshalb besucht?“
   „Ja, liebe Freundin. Ich beginne damit, dir von dem Licht zu erzählen, das du in dir hast: Jedem Menschenkind, liebe Freundin, wohnt eine Seele inne, die im Licht zuhause ist. Du bist ein Kind Gottes. In deinem Körper lebt ein lichtvoller Geist, den man höheres Selbst nennt. Das höhere Selbst lebt ewig und verbindet dich mit deinem himmlischen Schöpfer und mit deinen Sternengeschwistern. Es ist Teil deiner Seele und begleitet dich von Geburt an.“
   „Toll. Das habe ich nicht gewusst. Ich weiß aber von meiner Mutter, dass man im Traum zu den Sternen reisen kann. Stimmt das?“
   „Das stimmt. Außer deinem Körper, den du sehen kannst, besitzt du noch einen Energiekörper, der für dein Wohlergehen sehr wichtig ist. Ihn nennt man auch Geistkörper, und mit ihm kannst du im Traum an ganz besondere Orte reisen. Dabei beschützen dich deine Schutzengel, während dein Geistkörper im Licht neue Energie tankt.
  Im Traum ist es möglich, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Dein Körper liegt im Bett und schläft, während deine Seele ins Traumland wandert und dort Dinge und Abenteuer erlebt, an die du dich beim Aufwachen meistens nicht mehr erinnerst. Dabei sind dein menschlicher Körper und dein Geistkörper durch eine unzerreißbare Silberschnur verbunden, sodass du bei deinen Traumreisen immer sicher zu deinem schlafenden Körper zurückkehrst.“
   „Mein Geistkörper tankt neue Energie. Was ist Energie?“
   „Du kannst sie nicht sehen, aber deine ganze Welt besteht aus Energie. Es gibt eine grobe Energie und eine feine. Ein Haus hat eine grobe Energie. Ein schönes Bild oder eine Blume haben zum Beispiel eine feine Energie. Beide sind schön, aber anders. Sie bewegen sich auf unterschiedlichen Wellen. Dein ganzer Körper ist angefüllt mit Energien. Wenn dein Körper mit genügend Energie versorgt wird, strahlt er Licht und Wärme aus. Fehlt diese Energie, fühlst du dich müde und krank. Weißt du, dass deine Gedanken ebenfalls Energie und sehr wichtig für dein Wohlbefinden sind?“
   „Wirklich? Ist es nicht egal, was ich denke?“
   „Eben nicht, kleine Freundin. Die größte Kraft liegt in deinen Gedanken und Gefühlen. Alles, was du denkst, das bekommt Energie. Dadurch werden Gedanken Wirklichkeit und zeigen sich früher oder später in deinem Leben. Gedanken sind sehr machtvolle Energien. Im selben Moment, wo du einen Gedanken denkst, wird er bereits auf der geistigen Ebene Wirklichkeit. Der Gedanke wird größer und größer und begibt sich auf die Suche nach ähnlichen Gedanken. Je nachdem, was dein Gedanke ist, kehrt er zu dir zurück oder er bleibt im Aurafeld der Erde.“
   „Du verwirrst mich, Einhorn. Was ist ein Aurafeld?“
   „Jedes Lebewesen, jeder Stein und jeder Baum besitzen eine Aura. Du nimmst uns ja auch durch das Licht, das wir ausstrahlen, wahr. Die Aura ist ein Lichtfeld, das sich nach außen hin ausdehnt, und in dem du Informationen sammeln kannst, denn dein Körper endet nicht mit der Haut.“
    „Meine Freundin Claudia sagt immer, der Apfelbaum in ihrem Garten hat einen weißen Kreis rundherum. Ich glaube, sie will sich damit nur wichtigmachen.“
   „Oh nein! Der weiße Kreis, den deine Freundin sieht, ist die Aura des Baumes. Nicht alle Menschen können das Lichtfeld sehen, dass um Menschen, Tiere, Pflanzen und Steine herum ist.“
   „Oh!“
   „Ja, oh!“
   „ Die Aura kann man messen und sogar fotografieren. Wenn du mit anderen Menschen zusammen bist, berührt deine Aura die der anderen und du fühlst dich bei ihnen entweder wohl oder unbehaglich.“
   „Also habe ich auch eine Aura?“
   „Natürlich,  kleiner Sternenfunke. In deiner Aura ist in diesem Moment sehr viel Weiß enthalten, aber auch Blau. Wenn du zum Beispiel wütend oder zornig bist, dann ist viel Rot in deiner Aura.“
   „Und wenn ich mich freue und glücklich bin?“
   „Dann, kleine Freundin, ist sie ungefähr so wie jetzt, hell und freundlich. Deine Aura wird immer heller, wenn deine Energieschwingung ansteigt. Das heißt, wenn du beginnst auf das zu achten, was du sagst oder denkst.“

   „Energieschwingung? Ist das so wie eine Gartenschaukel? Mit meiner schwinge ich nämlich hoch hinauf.“
   „So ähnlich. Wenn du negativ denkst, hebt die Schaukel nicht vom Boden ab, weil die Energie zu schwer ist, während sie hochschwingt, wenn du positiv denkst. Verstehst du das?“
   „Ich denke schon. Wenn ich mit meinem Bruder streite, habe ich also eine rote Farbe in meiner Aura und meine Schaukel bleibt am Boden. Vertragen wir uns wieder, dann ist viel Weiß in meiner Aura und die Schaukel trägt mich hoch hinauf, ohne dass Papa mich anschieben müsste. Ist das richtig?“
     „Du verstehst schnell, Gaby.“

 „Aber, was hat das alles mit meinen Gedanken zu tun?“
    „Deine Gedanken sind, wie schon gesagt, Energie. Du denkst viele Gedanken im Laufe des Tages. Jede Sekunde denkst du. Nehmen wir zum Beispiel: „Ich mag nicht lernen!“ oder: „Das kann ich nicht!“
    „Das sage ich oft, weil es stimmt. Ich mag nicht gerne lernen. Aber Mama sagt, ich muss.“
    „Nun, wenn ein Gedanke oft genug gedacht wird, wird er mit sehr viel Energie aufgeladen. Dein Kopf ist dann wie ein Luftballon, in dem ständig noch mehr Luft hineingeblasen wird. Plötzlich macht es „ pfff“ – der Ballon platzt – und die Gedanken im Ballon schwirren nach allen Seiten hin aus. Sie machen sich auf die Suche nach ähnlichen Gedanken, die sich zuerst in den Auren- den Lichtfeldern - der anderen Menschen befinden und später, wenn sie auch dort überhand nehmen, schweben sie in das Lichtfeld des Planeten Erde. Dort vereinigen sie sich mit dem riesigen Gedankenfeld aller Menschen, die gerade dasselbe wie du gedacht haben: „Ich mag nicht lernen! Ich kann das nicht!“ Das Ganze sieht dann aus wie eine schwarze Gewitterwolke über eurem Haus.“ 
    „Nur weil ich sage: Ich kann das nicht?“
    „Ja, es ist nur ein kleiner Satz, doch die Wirkung ist gewaltig. So, wie ich es dir gerade beschrieben habe. Wenn viele das gleiche denken, wird der Gedanke übermächtig, das heißt, die Energie kommt zu denen, die sie ausgesandt haben, zurück.“
    „Und wenn ich denke: „Ich will das tun“, obwohl es gar nicht stimmt?“
    „Nun, in diesem Fall würdest du dich selbst belügen, was auch nicht positiv ist. Aber die Aussage: „Ich will“, ist immer positiv. Und wenn du es dir zur Gewohnheit machst, positiv zu denken, brauchst du dich auch nicht selbst belügen, und deine Energie wird immer leichter werden.“
   „Ich weiß schon, die Schaukel hebt mit mir ab ...“
   „Richtig. Wenn Gedanken deinen Kopf verlassen, schweben sie hoch und gesellen sich zu den vielen anderen, die das gleiche denken. Du hast die Wahl! Ob die Wolken über deinem Kopf hell und leicht oder dunkel und schwer sind. Bedenke, dass sie nach dem Zerplatzen zu dir zurückkommen, in welcher Form auch immer.“
   „Wie, in welcher Form? Kommen sie vielleicht als Elefanten zurück?“
   „Wie kommst du auf Elefanten?“
   „Weil Elefanten große Köpfe haben, in denen viel mehr Platz hat als in meinem Kopf.“
   „Nun, ich denke, wir bleiben doch beim Beispiel von Wolken. Negative Gedanken erschaffen dunkle Wolken, die ihren Inhalt als Gewitterregen über die Menschen ausschütten. Du bist dann vielleicht grantig oder ungerecht, und es genügt meist ein kleiner Funke, um einen Streit vom Zaun zu brechen. Unser Göttliche Vater sagt nicht umsonst: „Was du säest, das wirst du ernten.“ Kleine Freundin, willst du, dass in deinem Garten Blumen blühen oder dass das Unkraut überhandnimmt?“
    „Natürlich Blumen, was denkst du?“
    „Ich glaube dir. Doch du hast jetzt gehört, dass es nicht nur für den Einzelnen sehr wichtig ist was er denkt, sondern dass es für die ganze Erde von Bedeutung ist. Das Lichtfeld der Erde ist um ein Vielfaches größer als jenes Energiefeld, welches Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge umgibt. Und da hat natürlich eine Menge Platz.  
   In diesem unendlich großen Lichtfeld sammeln sich die Gedanken und Gefühle von allen Menschen auf diesem Planeten. Sicher kannst du dir vorstellen, welches Ausmaß eine Gedankenform annehmen kann, wenn viele Menschen negative Gedanken aussenden oder angstvolle Gefühle empfinden. Dann kann es ganz schnell passieren, dass plötzlich viele Menschen gleichzeitig Angst bekommen. Das passiert besonders schnell, wenn sie negative Nachrichten hören oder lesen.
   Wie eine mächtige Wolke schweben dann negative Gedanken über dem Planeten. Diese Wolke wartet vielleicht nur darauf, dass auch du negativ denkst. Und wenn du es tust, dann wundert sich deine Umgebung, weshalb du plötzlich so unausstehlich bist. Das ist jedoch deswegen der Fall, weil sich deine negative Energie mit der Energie der mächtigen Wolke verbunden hat. Ist dir nun klar, wie wichtig es ist, was du denkst und sagst?“
   „Ja!“
   „Hast du wirklich verstanden was geschieht, wenn ein Gedanke deinen Kopf verlässt?“
   Gaby nickt.
    „Merk dir, was immer du denkst, bestimmt deine Zukunft mit. Deine Gedanken sind ein Samen, der im Garten deines Lebens ausgesät wird und heranwächst. Du entscheidest selbst darüber, wie dein Umfeld aussehen soll. Sollen Harmonie und Freude oder Unzufriedenheit und Angst dich umgeben? Bedenke, dass jeder einzelne deiner Gedanken eine Form annimmt, ähnlich wie ein Künstler aus Ton Figuren und Gegenstände formt. Immer, wenn du zum Beispiel denkst: „Das kann ich nicht!“ wird das als Gedanke ins Energiefeld der Erde hinauf geschickt, wo er auf den passenden Augenblick wartet, um wieder zu dir zurückzukommen. Und auf einmal denken dann andere auch so – aber über dich!“
    „Du machst mir Angst!“
   „Liebe Gaby, da irrst du dich. Es sind ganz andere Dinge schuld daran, wenn du Angst bekommst. Das Ungeheuer Angst wir zum Beispiel richtiggehend gemästet, wenn man gruselige und aufregende Filme vor dem Schlafengehen sieht oder schauderhafte Geschichten liest.
    „Du hast Recht. Davon bekomme ich immer Albträume. Ich werde das in Zukunft lassen und mir lieber überlegen, ob ich etwas für Mutter Erde tun kann. Zum Beispiel einen Baum umarmen oder darauf achten, dass ich die Umwelt nicht verschmutze, indem ich Dinge auf den Boden werfe und sie dort liegen lasse.“
   „Das ist schön. Sende dabei aber auch Gedanken der Liebe und Freude aus. Diese schließen sich ebenfalls zu einem großen Ganzen zusammen und schweben dann federleicht über dir. Denn wenn du liebevolle Gedanken denkst, vergrößert sich auch diese Gedankenform immer mehr. Und wenn sie platzt, weil so viele Menschen dasselbe denken, fallen sie wie ein warmer goldener Sonnenregen auf die Menschen herab. 
Und du fühlst dich wohl und glücklich, weil du mit dazu beigetragen hast, dass die Menschen untereinander liebevoller umgehen, denn in jeder Person drückt Gott sich durch das höhere Selbst aus. Vergiss daher niemals, dass deine Gedanken zu dir zurückkehren!“
    „Wenn ich es vergessen sollte, kommst du dann wieder und erinnerst mich daran?“
    „Ja! Und wenn ich das nächste Mal komme, kleine Freundin, dann erzähle ich dir Vieles über Farben, und welche Wirkung und Einfluss sie auf deinen Körper haben, möchtest du darüber mehr wissen?“
   „Ja, darauf freue ich mich schon. Danke, liebes Einhorn. Sag das auch bitte allen, die mit dir gekommen sind.