Aktuelles

 

                     Weihnachten 2025

                

                         Hl.Antonius, hilf!

      Die letzten Jahre waren ziemlich hart für die Familie Huber gewesen. Die Herren Politiker versprachen zwar den Silberstreif am Horizont, aber die Hubers hatten ihn über ihrer kleinen Wohnung noch nicht aufgehen sehen. 

Seit der Mann arbeitslos und schwerkrank geworden war, fehlte es nicht nur an allen Ecken und Enden, sondern auch an dem Glauben, dass es etwas geben würde, was ihre Lage verbessern könnte. Dabei waren die Hubers immer fleißige Leute gewesen und anderen gegenüber stets hilfsbereit. 

Nun stand der Heilige Abend vor der Tür und Frau Huber wusste nicht, was sie ihren Kindern auf den Gabentisch legen sollte, denn zu allem Unglück war ihr auf dem Weihnachtsmarkt das Fahrrad gestohlen worden. Obwohl alt und schäbig, für sie war es ein wertvoller Besitz, der immer noch gute Dienste tat. 

 

   Ohne viel Hoffnung betrat sie die Polizei-Dienststelle, um den Verlust zu melden. Der Beamte hörte sich ihre Geschichte an und meinte: „Liebe Frau, das Rad werden Sie wohl nicht mehr wiederbekommen. Tut mir Leid für Sie, aber am besten ist es, wenn Sie sich mit dieser Tatsache abfinden. Es gibt heutzutage immer weniger ehrliche Leute. Sie können ja in ein paar Tagen nochmals nachfragen, aber viel Hoffnung mache ich Ihnen nicht.“ 

 

   Niedergeschlagen ging Frau Huber nach Hause. Ihrem ältesten Jungen fiel ihre Mutlosigkeit auf und er erkundigte sich nach dem Grund. Da brach es aus ihr heraus: „Oh, Martin, es ist so schwer für mich. Wie soll ich euch Kindern Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen, wo ich doch nicht einmal weiß, wie ich das Essen für alle zusammenbringe. Und zu allem Übel ist mir auch das Fahrrad gestohlen worden. Ich bin so verzweifelt.“ Sie schlug die Hände vors Gesicht und weinte bitterlich. Der Junge tröstete seine Mutter, so gut er konnte, danach beriet er sich mit seinen Geschwistern und erzählte ihnen vom Kummer der Mutter. Sie beratschlagten wie sie ihr helfen konnten und hatten auch bald eine Idee. 

 

   Die Kinder läuteten in der Nachbarschaft bei älteren Personen und fragten, ob sie Botendienste für sie erledigen könnten. Sie würden aus Kellern Brennstoff hochtragen, für sie einkaufen, ja, sogar zum Staubsaugen seien sie geeignet. Ihre Kunden forschten natürlich nach dem Grund ihres Hilfsangebots und waren danach gerne bereit, sie zu engagieren. Innerhalb weniger Tage hatten sie eine schöne Summe Geld beisammen und überlegten nun, wie sie diese ihrer Mutter zukommen lassen könnten, damit sie nicht stutzig werden würde. 

 

   Martin hatte die Idee zum Fundamt zu gehen, mit dem Geld eines der Fahrräder, das niemand abholen wollte zu kaufen, und den Rest des Geldes irgendwie der Mutter zukommen zu lassen. 

   Die Kinder gingen zum Fundamt wo sie auf eine nette Angestellte trafen, der sie ihre Geschichte erzählten und um Hilfe baten. Die Frau war gerne bereit sich darauf einzulassen, weil sie vom Einsatz der Jugendlichen gerührt war. Sie versprach sich etwas einfallen zu lassen, damit ihrer Mutter geholfen werden konnte. 

 

   Martin forderte danach seine Mutter eindringlich auf, anstelle neuerlich zur Polizei doch zuerst zum Fundamt zu gehen. Vielleicht sei ja ein Wunder geschehen! Die Mutter befolgte den Rat ihres Sohnes, weil er gar so drängte. 

 

   Auf dem Fundamt hörte sich die Angestellte ihre Geschichte an und sagte, dass an diesem Tag leider kein Fahrrad abgegeben worden sie. Einen kaputten Regenschirm, ein Tüte mit Hundefutter und ein Wohnungsschlüssel sei alles, was sie ihr heute anbieten könne, aber sie hätte eine Idee, wie sie ihr vielleicht doch helfen könnte. Sie kramte sie in ihrer Handtasche, holte ein Heiligenbild hervor und sagte tröstend zu Frau Huber: „ Das ist der heilige Antonius, er hilft beim Auffinden verlorener Gegenstände. Vielleicht hilft er Ihnen auch. Er ist sozusagen der Heilige vom Fundamt.“ 

 

   Frau Huber nickte mit dem Kopf und dachte sich, das ist lieb von der jungen Frau, dass sie mich trösten will, aber ich glaube schon lange nicht mehr an die Heiligen oben im Himmel. Wenn es sie wirklich geben würde, hätte ich wohl nicht so ein schweres Leben. Aber was weiß so eine junge Frau schon davon, wie schwierig es war, fünf hungrige Mäuler zu stopfen, mit dem geringen Einkommen. 

    Frau Huber erklärte leise: „Wissen Sie, ich bin nicht besonders katholisch und ich kenne keine Heiligen, so wie Sie. Da kann ich doch nicht ohne weiteres so einen hohen Herrn bitten, mir in meiner Not zu helfen.“ 

  „Doch, das können Sie“, sagte die Beamtin eifrig. „Sprechen Sie mit dem hl. Antonius, er ist für verlorene Sachen zuständig.“  Schreiben Sie ihm einen Brief und geben Sie ihn hier bei mir ab. Legen Sie das Heiligenbild bei, dann weiß er genau, dass die Hilfe dringend ist. Machen Sie das?" 

Sie lobte sich selber in Gedanken für den guten Einfall, denn sie wollte nicht, dass die Hilfe für die Frau zu offensichtlich geschah. 

   Frau Huber nickte zustimmend. Irgendetwas schien an der jungen Frau zu sein, dass sie einen leisen Hoffnungsschimmer am Horizont aufleuchten sah. 

  „Aber wie soll ich das denn machen“, fragte Frau Huber ratlos, „ich bin doch ungeübt im Ansprechen heiliger Männer und dann erst schreiben! Wissen Sie, Rechtschreiben ist nicht gerade meine Stärke.“ 

  „Oh, das macht nichts, Frau Huber. Schreiben Sie einfach so, wie sie zu mir sprechen. Ich bin mir ganz sicher, der Heilige versteht Sie. Und berufen Sie sich ruhig auf mich. Mein Name ist Anita.“ 

 

   Frau Huber bedankte sich und machte sich auf den Weg nach Hause. Daheim angekommen setzte sie sich gleich an den Tisch, schnitt mit der Schere ein Blatt Papier zurecht, denn der Fettfleck am oberen Rand des Blattes würde dem hohen Herrn sicher nicht gefallen. Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie die richtige Anrede fand, weil ihr keine höflich genug schien. Dann schrieb sie: „Hoch geehrter Herr hl. Antonius. Anita vom Fundamt hat mir gesagt, dass ich mich an Sie wenden soll. Es ist, weil sie ihr auch schon geholfen haben und da meinte sie, dass Sie vielleicht mir auch helfen würden. Sie hat nämlich eine sehr hohe Meinung von Ihnen, himmlischer Herr.“ Dann entschuldigte sie sich tausendmal, dass sie erst durch diese schlimmen Umstände den Weg zu ihm fände, aber sie würde ihn trotzdem aus ganzem Herzen bitten, ihr doch zu helfen das Fahrrad wieder zu bekommen. Und demütig fügte sie hinzu: „Dann wäre da noch ein Problem, das ich bei dieser Gelegenheit zur Sprache bringen möchte. Ich habe leider sehr wenig, das ich meinen Kindern auf den Gabentisch legen könnte. Ob der hohe heilige Herr da vielleicht auch zuständig sei?“ 

Am nächsten Tag gab sie den Brief am Fundamt ab und ging mit langsamen Schritten wieder nach Hause. 

 

   Nach einer weiteren unruhigen Nacht, in der sie vor Sorge lange nicht einschlafen konnte, erreichte Frau Huber vor dem Mittagessen der Anruf vom Fundamt. Ein Fahrrad sei abgegeben worden. Sie möge doch so gut sein und vorbeikommen. 

Mit klopfenden Herzen machte sie sich auf den Weg und schaute mit großen Augen auf ein gut erhaltenes Fahrrad mit neuem roten Sattel, wo auf einem Schild ihr Name stand. 

 

 „Gibt doch noch ehrliche Finder“, sagte Anita und erzählte, dass der junge Mann, der sich das Fahrrad vor Kurzem „ausgeborgt“ hatte, damit einen Unfall gebaut und als Ersatz nun dieses Rad, zusammen mit einem Geldbetrag als Wiedergutmachung beim Fundamt abgegeben hätte. 

 

  „ Es ist heute Morgen vor unserer Tür gestanden mit einem Zettel dabei, dass es für die Besitzerin des gestohlenen Rades sei.“ Sie fand, diese Notlüge war ein guter Einfall, damit die Frau nichts davon erfuhr, dass der große Geldbetrag von ihren eigenen Kindern stammte. Der Betrag war zusätzlich noch mit einigen Euros aus der Kaffeekasse des Büros aufgemöbelt worden. 

   Frau Huber war fassungslos und wusste nicht, wie ihr geschah. Sie wusste nicht, ob der hl. Antonius von ihrem Brief so beeindruckt war, oder ob er sich über das eigene Foto mit dem Heiligenschein so gefreut hatte. 

 

   Frau Huber stammelte Dankesworte und musste erst mit Nachdruck dazu angehalten werden, den Geldsegen anzunehmen. Sie schüttelte Anita die Hand und bedankte sich ganz herzlich bei ihr, dass sie ihr ihren Heiligen ausgeliehen hatte. Glückstrahlend verließ sie die Wache, während die Beamtin breit lächelnd zu den Kindern, die hinter der Türe versteckt standen, sagte: „Wie fühlt es sich für euch an, für einen Heiligen gehalten zu werden. Was meint ihr?" 

 

   Martin lächelte breit und sagte: „Geil!“ und seine Geschwister nickten zustimmend. Dieser hl. Abend würde etwas ganz Besonderes für ihre Mutter werden. Sie würde ihren Kindern guten Gewissens Geschenke unter den Baum legen können und nie erfahren, wie sehr sie selbst von ihren Kindern beschenkt worden war. 

                                                      



                               Herzengel 

 
Im Advent traf ich auf einen Jungen, etwa 12 Jahre alt. Er stand vorm Schaufenster einer  Tabak Trafik und schaute hinein. Ich beobachtete ihn eine Weile, und da ich ihn vom Sehen  her kannte,  sprach ich ihn an. 
„Hallo Fritz. Bist du auf der Suche nach einem Geschenk für deinen Papa?“ 
„Nein!“ Seine Antwort war kurz und ablehnend. Ich ließ mich  davon nicht abschrecken und fragte geradeheraus: „Du wirst doch nicht zu rauchen anfangen?“ 
„Nein“, sagte er etwas freundlicher.  „Ich suche etwas für Opa“. Er überlegte kurz, dann machte er einen Schritt zur Seite und sagte resigniert; „ Aber eigentlich kann ich das ohnehin vergessen.“ 
Nun wurde meine Neugierde erst recht geweckt. Ich sah ihn fragend an und erkundigte mich fürsorglich: „Wie meinst du das? Das musst du mit schon genauer erklären“. 
Ich merkte, dass es in ihm arbeitete  und wartete geduldig, bis er bereit war mir zu antworten. „Die Schule stresst, meine Freunde sind blöd und überhaupt ist das ganze Leben ein Scheiß.“ Er wollte gehen. 
Ich berührte ihn an der Schulter und sagte. „Fritz, warte bitte!“ Zögernd blieb er stehen. Ich hätte ihn am liebsten an meine mütterliche Brust gedrückt, aber ich nahm davon Abstand. 
„Was ist passiert, dass du so negativ denkst, Fritz?“ 
Erst wollte er nicht reden, doch dann sprudelte es aus ihm heraus. „Mir steht es langsam bis hierher.“ Er tippte mit der Hand unter seinen Mund. Papa zittert um seinen Arbeitsplatz und ist deswegen oft ungerecht und schlecht drauf und Mama mit den kleineren Geschwistern  vollauf beschäftigt. Keiner hat Zeit für mich. Seit Opa im Pflegeheim ist, habe ich niemanden mehr der mir zuhört und mit mir redet. Er hat mich immer für voll genommen und mich aufgebaut, wenn ich nicht gut drauf war.“ 
Der Bub tat mir leid. Während ich noch überlegte, wie ich ihm helfen könnte, schaute er mich fragend an: „Sie schreiben doch auch über Engel, nicht wahr?“ 
Ich war überrascht, woher er das wisse und er sagte mr, dass seine Mutter einmal bei einer Lesung von mir war und ein Buch zuhause hätte. „Haben Sie schon einmal einen Engel gesehen?“, wollte er wissen. 
Ich erklärte ihm, dass man Engel ganz selten mit offenen Augen sehen, sie aber immer fühlen könne. „Unsere Schutzengel sind immer um uns herum“, fügte ich erklärend hinzu. Und nach ein kurzen Pause gestand ich ihm: „Wenn ich ein Problem habe oder einmal nicht weiterweiß, wende ich mich an meinen Herzengel. Ich rede mit ihm und im selben Moment spüre ich ihn in meinem Innern. Da wird mir auf einmal ganz warm ums Herz,. Dann erzähle ich ihm von meinen Sorgen und bitte ihn, mir auf seine Weise zu helfen.“ 
„Und das funktioniert?“ wollte er wissen. 
„Immer“, gab ich entschieden zur Antwort. Und verschwörerisch gestand ich ein, dass dann Dinge passieren, die ich so gar nicht erwarte. Aber alles fängt an, sich zum Guten zu wenden. 
Der Junge hatte aufmerksam zugehört. Er fragte nach: „Hat jeder so einen Engel  im Herzen?“ 
„Ja!“ 
„Opa auch?“ 
Wieder bejahrte ich. 
„Wissen Sie, mein Opa ist dement geworden. Er versteht nicht mehr, was ich ihm sage. Aber von Herz zu Herz könnten wir beide uns unterhalten, nicht wahr?“ 
„Ja Fritz, das geht!“ 
Der Junge strahlte über das ganze Gesicht.“ „Wenn ich Opa besuche, werden unsere Engel sich viel zu erzählen haben. Danke! 
Weg war er. Ich rief: „Fröhliche Weihnachten!“ hinterher, aber das hörte er schon nicht mehr. 
 
 

   

 Liebe findet sich überall

 
   Gerade in der scheinbar dunklen Jahreszeit, erinnern uns die Engel daran, der Menschlichkeit mehr Beachtung zu schenken und uns unserer wahren Werte bewusster zu werden. Wir tragen alle die Sehnsucht nach Frieden und Harmonie, nach Liebe und Geborgenheit in uns. Wenn sich das Jahr dem Ende neigt und die Tage kürzer werden, wird der Wunsch nach einer friedlichen und heileren Welt in uns übermächtig. Diese besinnliche Zeit mit ihrer Stille und ihrem besonderen Zauber ladet ein, dem göttlichen Licht in uns gewahr zu werden. 

   Das irdische Leben konfrontiert uns mit so manchen Herausforderungen, die dazu da sind, gemeistert zu werden, daran zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Mitgefühl und Herzlichkeit lassen den Puls des Lebens in Liebe schlagen und tragen bei zum Neutralisieren von Negativem. Glaube trägt die Botschaft des Lichts und der Hoffnung in die Welt ohne große Worte und Gesten, einfach durch gelebte Menschlichkeit in Form von Mitgefühl und Achtsamkeit. 
   Liebe findet sich überall, auch in kleinen Dingen. Manchmal sind die Umstände schwierig. Manchmal glaubt man, das Herz bricht – und man lebt trotzdem weiter. Immer dann, wenn wir uns in emotionalen Ausnahmezuständen befinden, ist die Sehnsucht nach dem Vertrauten groß. Dann gibt uns der Gedanke an die uns nahestehenden Menschen die Kraft, selbst große Herausforderungen zu bestehen. Egal, ob sie dann an unserer Seite sind oder unser Leben aus einer anderen Welt betrachten. Wenn uns jemand die Hände reicht, trifft u

   Doch wie lange kann die Liebe warten? Wie lange braucht ein Herz um eine Hand zu erreichen, die einen anderen Menschen liebevoll übers Gesicht streicht oder die Hände des anderen drückt? Um Gefühle zuzulassen und endlich die liebevollen Worte sagen, die oftmals nur im Kopf sind? Um endlich die Briefe zu schreiben, die man niemals schreibt? Um seine Hand einem anderen Menschen entgegenzustrecken, und dadurch Vergebung und Menschlichkeit zuzulassen? 
      Finden wir in dieser besinnlichen Zeit heraus was Liebe bewirken kann, wenn menschliches Handeln aus dem Herzen beginnt. Beginnen wir damit, Widerstände loszulassen, die wir in den vergangenen Jahren durch unsere Voreingenommenheit angehäuft haben. Wir müssen eine Reife erschaffen und wirklich daran glauben, dass die Welt sich hin zum Besseren wandelt. Glauben wir endlich an unsere Kraft als Mitschöpfer. Lassen wir uns von der Kälte, die uns aus den Nachrichten entgegenströmt, nicht behindern. Denn unser Glaube kann Berge versetzen. So vieles kann geschehen, sobald das Herz die Hand erreicht. Reichen wir einander die Hände und erkennen wir, dass sich in kleinen Gesten oft das Wunderbare versteckt – nicht nur in der Weihnachtszeit!

   Wir alle fühlen die Macht der Veränderung. Die Orientierung in Zeiten entfesselnder Naturgewalten und politischer Erdbeben zu bewahren, ist für keinem von uns leicht. Wir sind einmal mehr aufgefordert, uns an die Liebe und an die Kraft zu erinnern, an die wir jederzeit angebunden sind. Wenn es uns gelingt, dass unser Herz die Hände erreicht um Brücken zu schlagen, tragen wir die Botschaft des Weihnachtsfriedens aus der Geborgenheit unseres Wohnzimmers hinaus in die Welt, denn der Geist der göttlichen Verbundenheit ist grenzenlos!
   Mögen wir mithelfen den Frieden zu verbreiten, indem wir unserem inneren Frieden viel Raum geben und in Liebe voller Selbstbewusstsein diesen auch nach außen in die Welt tragen. Starke Menschen braucht die Welt, und diese Stärke der Liebe, des Vertrauens, der Würde und des Mitgefühls, die kommt von innen - wir alle tragen dies in uns. 
 
Ich wünsche Ihnen allen ein tiefes Empfinden der Geborgenheit und ein glückliches und gesegnetes neues Jahr .



Für unsere Mütter

                                                          Wenn Stille greifbar wird…

    Sicher hat jeder von uns schon einmal eine Situation erlebt, in der die Zeit plötzlich langsamer vergeht. In der uns eine Erinnerung so machtvoll überfällt, dass Stille greifbar wird und allen Raum einnimmt. Mir ist es kürzlich so ergangen. Ich fand ein Foto meiner Mutter. Vergilbt und abgegriffen.

   Ich habe meine Mutter in Erinnerung als eine Frau, die nur für ihre Familie lebte. Sie hatte ihr eigenes Leben hintangestellt, um ihrer Familie das Leben so schön wie möglich zu machen. Heute erst begreife ich, welche Lebensentscheidung sie dadurch für sich getroffen hatte. Nicht ihr eigenes spirituelles Wachstum war vorrangig, sondern das der anderen. Deren Wohlergehen war ihr Lebensinhalt. Sie musste sich ihr Leben lang nach der Decke strecken, hatte gelernt, dass der Mann das Sagen hatte, und das alte Glaubensmuster ungefragt zu übernehmen sind. Weil man das schon immer so gemacht hat.

   Ich bin in eine Zeit hineingeboren worden, in der es Fernsehen erst im Erwachsenenalter gab und das Telefon einen Viertelanschluss mit Kurbel und Voranmeldung hatte. Doch ich konnte mein Leben nach meinen Vorstellungen leben, ohne dass deswegen die Familie zu kurz kam. Und ich durfte meine Gefühle ausdrücken, ohne dafür gemaßregelt zu werden.

   Ich hätte es meiner Mutter auch vergönnt, ein Leben führen zu dürfen, wie ich es in diesem Alter tun kann. Ich hätte ihr noch so gerne die Welt zu Füßen gelegt, die sie nur vom Hörensagen kannte. Ich wünschte, ich hätte ihr viel öfter gesagt, wie dankbar und stolz ich bin, sie zur Mutter zu haben.

   Ich wünschte, ich hätte ihr noch viel öfters gesagt, wie sehr ich sie liebe. Ich wünschte, ich könnte ihr noch sagen, wie unbegründet ihre Sorgen um meine Zukunft waren, und wie dankbar ich ihr bin: Dafür, dass sie mir Vorbild war für Mitgefühl, für Liebe, für Respekt und Akzeptanz allem und jeden gegenüber, ohne Ansehen der Person.

   In der Erkenntnis, die sich mir in diesem Moment der Stille auftat, habe ich erfahren, welche Größe das Mutter sein beinhaltet. Auch wenn man selber inzwischen Mutter, Großmutter und Urgroßmutter geworden ist. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben und viele Mütter inzwischen berufstätig sind – sie sind es noch immer, die sich in erster Linie um die Kinder kümmern. Die morgens die Brote schmieren, abends die Gutenachtgeschichte vorlesen, die pflegen, ermutigen, antreiben, trösten.

   Vor allem dann, wenn man jedem seiner Kinder die Liebe und Zuwendung geben kann, die sie brauchen. Mütter können nicht anders. Mutter bleibt Mutter. Und Kind bleibt Kind. Da kann es noch so alt sein. Es ist eine ganz besondere Beziehung, keine, die immer gleich gut verläuft und ohne Streit auskommt. Aber eine – die hält. Ein Leben lang und darüber hinaus.

Denn Mütter leben für immer in den Herzen ihrer Kinder, und nicht nur in deren Erinnerung.
 




 

  

Was ist das Kommende?

Das ist der Neuanfang von Mensch und Planet. Eine Neuausrichtung darauf, um anders zu denken, zu handeln, zu fühlen. Es ist eine totale Rückbesinnung auf die wahren Werte des Lebens. Eines Lebens das frei ist vom Mangeldenken, von Manipulation und vom Streben nach immer mehr: Nach noch mehr Anerkennung, noch mehr Macht, noch mehr Einfluss. Mangeldenken hat auch euer herrliches Selbst verniedlicht. Ihr habt es zugelassen, dass euer großartiges Sein von falschen Vorbildern, von unnötigen Ängsten und von geschürten Selbstzweifeln unterwandert wurde und immer noch wird. 
Neue Empfindungen, Erfahrungen und Ausdrücke kennzeichnen die Zeitenwende, in die ihr jetzt eingetreten seid. Das Bewusstsein, das sich jetzt immer mehr ausbreitet, ist nur für jene ein Rückschritt, die immer mehr haben wollen und nach immer höherem streben. Alle anderen Seelen wissen, dass dieser so genannte Rückschritt der Aufbruch in eine magische Zeit ist. Zwar werdet ihr auch weiterhin immer wieder Prüfungen zu bestehen haben, doch die meisten von euch wissen, dass Prüfungen stets Stufen zu neuen Erkenntnissen und Erfahrungen sind. 
Ein liebend Herz, Geduld und die Bereitschaft der göttlichen Führung zu vertrauen, sind die Empfehlungen, die wir euch für diese Zeit ans Herz legen. Geduld – dass sich die Dinge zum Guten wenden, auch wenn es nicht danach aussieht;
Ein liebend Herz zu haben, um den sichtbaren Schmerz anderer, und die Hilflosigkeit der Obrigkeit darin aufzunehmen in dem Wissen, dass Gottes Wege nicht immer mit dem rationalen Verstand erklärbar sind; 
Vertrauen in die göttliche Führung, die für jeden von euch das richtige vorsieht. Auch wenn dies nicht immer mit eurer Vorstellung von einer „ neuen“ Zukunft konform geht. 
Diese Zeit des Übergangs ist ein Lebens- und Lernfeld, in dem Glaube und Wissen wesentliche Bestandteile sind, um die magische Zeit, die im Kommen ist, einzuläuten. Es beginnt damit, dass ihr eure große Schöpferkraft anerkennt und auszudrücken beginnt. Wenn ihr wisst, dass alles, was ihr benötigt, jederzeit da ist, erschafft ihr aus der Energie der unendlichen Fülle. Ihr werdet dann wiederum nur Fülle hervorbringen, von allem, das ihr kreiert.  
Wenn ihr ein neues Bewusstsein erschaffen wollt, eine neue Wahrnehmung, müsst ihr von eurer innewohnenden Schöpferkraft überzeugt sein. Dann nämlich erkennst ihr, dass diese Energie „real“ und jederzeit für euch verfügbar ist. Das ist ein wunderbares Leben, geliebte Seelen, das ihr euch selbst in Zeiten großer Umbrüche, erschaffen könnt. Ein Sein im Frieden, in Freude und im Vertrauen. Denn ihr wisst und spürt, wie sehr ihr göttlich geführt seid. 
In der magischen Realität verwirklichen sich eure Wünsche, Gedanken, eure Worte und Ansichten in wesentlich schnelleren Zeiträumen, als euch dies bis jetzt möglich war. Ein wenig Zeit als Übergangsphase werdet ihr benötigen – gerade so lange – wie sich der Glaube an die unendlichen Möglichkeiten der magischen Realität, als unumstößliche Wahrheit in eurem Herz und in eurem Kopf verankern.
In dieser neuen Realität könnt ihr so viel mehr bewirken als alle positiven Weltverbesserungen, die ihr bisher praktiziert habt. Die Versuche und Erfahrungen auf diesem Weg brauchtet ihr, um das Wissen zu erlangen, das euch befähigt, nun in vollem Vertrauen schöpferisch tätig zu sein. 
Ihr werdet in dieser Energie auch viel mehr und öfter wie früher unsere Liebe spüren und unsere Führung erkennen. Dies alles wird sich von Mal zu Mal intensivieren. 
Frieden in euch zu erschaffen, hat oberste Priorität. Nur so kann sich Frieden verbreiten wie die Samen des Löwenzahns. Er wird bei euren Nachbarn „anklopfen“ und sie die wundervolle Energie der inneren Balance spüren lassen. Er wird sich in eurem Umfeld verbreiten, ohne dass ihr etwas sagen oder tun müsst. Er wird seine Wirkung tun, indem ihr ihn ausstrahlt, denn es ist der Frieden, der aus eurem liebenden Herzen heraus entstanden ist und der sich aufmacht zu neuen Ufern. Wenn ihr Frieden für die Welt möchtet, müsst ihr zuerst Frieden in euch schaffen. Nur so funktioniert das. 
Mögen viele Seelen dazu bereit sein. Damit sie auf diese Art eine neue Seinsweise, eine neue Wahrnehmung erschaffen und aus dem Bewusstsein von Angst aussteigen, in dem viele noch gefangen sind. 
Frieden in sich selbst beinhaltet alles, was der Mensch sich wünschen kann: Liebe, Freude, Fülle, Leidenschaft, Respekt, Mitgefühl und Akzeptanz; alle Gefühle und Emotionen die damit verbunden sind. Übt euch darin jeden Tag, beginnt die magische neue Energie zu fühlen, spürt eure Seele und antwortet ihr, indem ihr den innersten Herzensausdruck widerspiegelt. 
Willkommen in der magischen Realität, die im Kommen ist!

2019

Gedanken zur Weihnachtszeit

Dieser Text wurde in der Murtaler Zeitung veröffentlicht

Eine Weihnachtsgeschichte


Der goldene Stern


   Ein etwa 13 jähriger Junge saß allein auf einer Parkbank und hing seinen traurigen Gedanken nach. Niemand nahm Notiz von ihm. 
   Da setzte sich eine Frau zu ihm. Sie spürte seine Stimmung und fragte: „Warum bist du so traurig?”
Der Junge wollte eigentlich nicht sprechen, aber etwas an der Frau flößte ihm Vertrauen ein und er erzählte.
  „Ach, wissen Sie”, sagte er, „Ich habe keine Freude am Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.”
 „Was glaubst du, warum das so ist? ”
 „Warum wohl”, wiederholte der Bub aggressiv. „Die Eltern haben nie Zeit für mich, oft schreien sie mich an, wenn die Noten nicht gut sind und überhaupt ist das Leben ein Scheiß! Wenn es mich nicht mehr gäbe, würde es keinem auffallen. ”

   Die Frau schien von seinen Worten unberührt zu sein. Sie fragte:  „Nun ich denke, was dir fehlt sind nicht nur mangelnde Anerkennung, sondern auch die Bereitschaft umzudenken. Weißt du, Junge, Leben ist etwas, was man in Erwartung wählt. Ob deine Lehrer, Freunde und Eltern dich anerkennen, hängt nicht von guten Noten oder materiellen Zuwendungen ab – vielmehr von der Art, wie du dein Leben sehen willst. ”
 „Wie will ich es denn sehen?”
 „ Du willst in allem nur das Negative sehen, Junge. Das strahlst du auf deine Umgebung aus, und genau das kommt wieder zu dir zurück. Das nennt man das Gesetz der Anziehung. Du musst umdenken, Junge!“   

 „So, und wie soll ich das machen, können Sie mir das verraten?“

   Die Frau neben ihm lächelte. „Das ist einfach, Junge. Entscheide, dass du das Leben und die Menschen magst. Es ist eine Entscheidung, der du dich jeden Tag neu besinnen kannst. Denn du kannst wählen. Du kannst entscheiden, ob du dem Tag mit Freude und Zuversicht entgegensehen willst, oder ob alles düster und trostlos sein soll. ”
Der Junge schwieg und dachte über das Gehörte nach. Die Frau sah, wie es in ihm arbeitete und sie ließ ihm Zeit. 
 „Und wenn ich das mache, was ist dann?”

   Die Frau legte ihm die Hand auf die Schulter, die sich warm und sehr kraftvoll anfühlte. Sie sagte: „Dann wirst du überrascht sein, wie deine Umgebung reagieren wird. Du wirst Anerkennung bekommen und Liebe. Eben das, was du aussendest. Weißt du, Junge, das Leben, das vor dir liegt, ist dein eigenes Universum, das du entweder mit Liebe oder mit Angst füllen kannst. Es liegt allein an dir, ob darin deine schönen Momente und Erinnerungen oder dein Selbstmitleid gespeichert werden. Wenn du einmal alt bist, kannst du daraus das Glück und jenes Licht schöpfen, welches du entlang deines Lebensweges dort deponiert hast. ”

   Daraufhin drückte sie dem Jungen etwas in die Hand. Es dauerte eine Weile, ehe er bereit war, nachzusehen. Auf seiner Hand lag ein goldener Stern, worauf mit leuchtenden Buchstaben stand: 


„Suche nicht nach Licht. Leuchte selbst! ”

   Der Junge drehte sich zur Frau hin, um sich zu bedanken, doch der Platz an seiner Seite war leer - bis auf eine weiße Feder, die wohl ein Engel dort zurückgelassen hatte.

Engelsspuren in unserem Leben


Die besinnliche Zeit des Advents lädt uns ein innezuhalten, um uns eine kurze Dauer des Rückzugs aus dem Alltagsstress zu gönnen, und uns Zeit zu nehmen, für den Dialog mit der höheren Wahrheit unseres Seins. Nutzen wir die ruhige Zeit an der Schwelle zu einem neuen Jahr, um uns rückblickend mit den Geschehnissen zu versöhnen, die uns belastet oder gar verletzt haben. 

  Dabei dürfen wir mit dem Beistand unserer Engel rechnen, wenn wir in einer Art inneren Inventur Bilanz ziehen und unser Leben auf den Prüfstein stellen. Bei welchen Begebenheiten haben wir die Spuren göttlicher Liebe gefühlt und waren dankbar für das Wissen, dass sie um uns sind? Haben wir in stürmischen Zeiten genug Vertrauen in göttliche Führung gehabt oder waren die Zweifel größer? 

   Wir alle haben den Wunsch, ein glückliches Leben zu führen, doch oft sind wir es selbst, die im Streben nach Erfolg und Anerkennung übersehen, wie nahe wir ihm eigentlich schon sind. Wir suchen nach Liebe und Geborgenheit und vergessen im Alltagsstress, worum es eigentlich geht: Um die innere Herbergssuche!

   Wir schenken allem Aufmerksamkeit das um uns herum ist, doch wir vergessen auf das Kind in uns, das nach Liebe hungert. Das in den Arm genommen werden will, damit es wachsen und in Heilung gehen kann. Damit die Liebe übernehmen kann. 

   Die Spuren der Engel offenbaren sich uns durch fühlende Erkenntnisse, die sich in vielen Bereichen durch unser Leben ziehen. Engelskraft begleitet und beschützt uns vom Tag der Geburt bis zum letzten Atemzug. Vertrauen in göttliche Führung trägt uns durch stürmische Zeiten, lindert Krankheit und Schmerz, und lässt uns das ertragen, was das Schicksal für uns bereithält. Ängste, verursacht von weltweitem Aufruhr, von finanziellen Turbulenzen und von individuellen Flurschäden, belasten zusätzlich. Sie lassen uns befürchten, dass unser Leben mehr aus Rückschritten besteht, denn aus Vorwärtskommen.  

    Und doch geschieht in all dem Chaos um uns herum immer wieder etwas, was uns glauben und hoffen lässt. Es sind das die segensreichen Momente, die uns berühren und Impulse für Veränderung geben; die uns dabei helfen Altes abzuschließen und den Weg für Neues zu öffnen. Es sind das die Lichtspuren der Engel, denen der Same der Liebe zugrunde liegt. Es sind das die Augenblicke der Freude und der Glücksgefühle, mit denen unsere Seele uns aufzeigt, dass wir von etwas Höherem gehalten werden. 

                                    Nehmen wir diese Augenblicke wahr?

 Beginnen wir die heilige Führung der Engel zu spüren, uns selbst mehr wahrzunehmen, unsere Familie? Öffnen wir uns für die Menschen und Dinge, die uns am Herzen liegen?
 
 Wie oft genügt ein kurzer Augenblick, um unsere heile Welt in Schmerz zu stürzen. Seien wir uns der Zusammengehörigkeit bewusster. Denn in der Liebe zueinander, die nicht bewertet und manipuliert, finden sich viele magische Momente, die unser Leben bereichern. Die es zu etwas ganz Besonderem machen können, wenn wir es zulassen – nicht nur im Glanz der Weihnachtskerzen! Wenn wir nicht vergessen, dass jeder von uns in seinem tiefsten Sein jenen Gottesfunken beherbergt, der darauf drängt, zu einem strahlenden Leuchtfeuer zu werden. 

   Auch im Alltäglichen gibt es jene magischen Augenblicke, die etwas in uns ansprechen. Die uns für kurze Zeit glücklich sein lassen und uns Bilder ins Bewusstsein bringen, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Diese Magie des glücklichen Augenblicks sollten wir in jene Vorsätze einbinden, die wir für das neue Jahr haben. 

   Heißen wir die Engel willkommen, die bereit sind, Seite an Seite mit uns lichtvoll durch das neue Jahr zu gehen. Öffnen wir uns für ein Leben in Frieden, Mitgefühl und Akzeptanz und werden wir uns unserer Flügel, als auch unserer Wurzeln bewusster. Nehmen wir die Spuren der Engel in unserem Leben wahr, denn sie führen uns in die Gelassenheit und in die überragende Weisheit unseres Herzens.

      Mit gelebter Menschlichkeit als Vorbildwirkung können wir die Botschaft der Liebe aus unseren Wohnungen hinaus in die Welt tragen, denn der Geist der göttlichen Verbundenheit ist grenzenlos – nicht nur an Weihnachten!
   
Ich wünsche Ihnen ein friedliches Weihnachtsfest und ein von Engeln geführtes Jahr voller Freude für 2020

Heidrun Siebenhofer

Texte

die das Herz erwärmen


Liebe hinterlässt immer Spuren...
von Heidrun Siebenhofer

    Prof. Ingo Deutschmann war ein verschlossener, fast schon eigenbrötlerisch zu nennender Mann von neunundfünfzig Jahren. Seit seine Frau vor drei Jahren nach fast dreißigjähriger Ehe unerwartet verstorben war, fand er sich mit dem Leben nicht mehr zurecht. Ihm fehlte ihre liebevolle Fürsorge, die unaufdringlich stille Art, ihm sein Leben so angenehm wie möglich zu machen. 
   Dabei hatte nichts darauf hingedeutet, dass seine Hilde an einem Herzleiden laborierte. Oder hatte sie doch gespürt, dass etwas damit nicht in Ordnung war und es ihm verschwiegen? Ingo Deutschmann würde auf diese Frage keine Antwort mehr bekommen. 
Freunde und Bekannte boten ihm nach Hildes Tod ihre Hilfe an, doch in seinem Schmerz lehnte er alle Angebote fast unhöflich grob ab. Eine Aura von Verschlossenheit und Distanz umgab ihn seither wie eine weithin sichtbare Mauer. Mit der Zeit nahm niemand mehr Anteil an seinem Leben. 

   Ingo Deutschmanns Lebensrhythmus blieb gleichbleibend monoton. Aufstehen, anziehen, Frühstücken, mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren und bis siebzehn Uhr in seinem Büro arbeiten. Im Anschluss daran der Gang zum Friedhof, um an Hildes Grab stumme Zwiesprache mit ihr zu halten. Dort erzählte er ihr von seinem Tagesablauf und was es Neues gab, das er aus der Zeitung erfahren hatte. Nie kam ein Wort der Klage über seine Lippen, nie ein Vorwurf, warum sie und nicht er. Mit jedem Mal fühlte er sich wieder gestärkt, wenn er sich auf den Heimweg machte. So, als ob ihre weiche Energie um ihn sei und ihn nachhause begleiten würde.

   Der Tag vor Allerheiligen begann für Prof. Deutschmann wie alle anderen Tage zuvor, seit er allein lebte. Wie jeden Tag war er ins Büro gefahren und hatte um siebzehn Uhr seinen Schreibtisch aufgeräumt. Die Unterlagen wurden wieder alphabetisch geordnet und in der Schreibtischlade angelegt. Er verstaute wie üblich die mitgebrachte Thermoskanne mit dem Rest Schwarztee in seine Aktentasche und machte sich auf den Weg zum Friedhof.

  „Morgen ist Allerheiligen, Hildchen“, sagte Ingo Deutschmann. Mit klammen Fingern befreite er die Laterne vom Schnee und zündete etwas umständlich das Grablicht an. Dann stellte er das mit einer großen Kerze geschmückte Blumengesteck pedantisch in die Mitte und zündete die Kerze an.
   „ Ich mag gar nicht nach Hause gehen, meine Liebe, es ist so leer in der Wohnung, seit du nicht mehr da bist. Ich darf gar nicht daran denken, was für ein Tag morgen ist...”

    Fest zog er den Schal um seinen Hals. Niemand sollte sehen, wie viel Mühe es ihn kostete, seine Gefühle nicht zur Schau zu stellen. „Heute werde ich mich mit meinem neuen Buch über Schachvariationen beschäftigen, Hildchen. Ich habe es gerade in der Buchhandlung gekauft.“ Fast verschämt fügte er beim Weggehen hinzu: „Unsere wunderbaren Schachabende gehen mir so ab, meine Liebe.“ 
   Als er wieder ging, sah man seinen hängenden Schultern die Last an, die das Leben ihm durch diesen Verlust aufgebürdet hatte. Er stieg ohne Erwartung in die Straßenbahn, nicht ahnend, dass eine schicksalhafte Begegnung seine lang verstummte Seele leise zum Klingen bringen würde.

   Beim Hinsetzen öffnete sich auf unerklärliche Weise der Verschluss seiner Aktentasche, das Buch fiel heraus und einem anderen Fahrgast direkt vor die Füße. Dieser bückte sich, hob es auf und wollte es schon mit einer kurzen Bemerkung an ihn zurückgeben, als er den Titel las. 
  „Oh“, rief er erstaunt. „Das Buch kenne ich ja noch gar nicht. Und ich besitze umfangreiche Publikationen über alles, was mit Schach zusammenhängt.“
   Prof. Deutschmann, dem die Sache mehr als peinlich war, antwortete in seiner üblichen Art kurzangebunden: „Ich habe es selbst gerade erst gekauft.“
„Sie spielen wohl leidenschaftlich Schach. Weshalb sollten Sie auch sonst...?“
  „Ja!“
Der Fahrgast ließ sich von seiner distanzierten Art nicht abschrecken und fragte interessiert: „Spielen Sie in einem Klub?“
  „Nein!“ Dann, als ob ihn seine schroffe Art erst jetzt zu Bewusstsein kommen würde, fügte er freundlicher hinzu: „Ich habe früher immer mit meiner Frau Schach gespielt. Aber seit sie tot ist...“
„Das tut mir Leid!“ meinte der andere, drehte sich vollends zu Ingo Deutschmann, um ihm direkt in die Augen sehen zu können, und streckte ihm freundlich die Hand entgegen: „Gestatten Sie, Hofbauer mein Name. Horst Hofbauer.“
   Ingo Deutschmann reichte ihm ebenfalls die Hand und murmelte mechanisch: „Angenehm, Deutschmann.“
   Hofbauer schien die kurz angebundene Art seines Sitznachbarn nicht zur Kenntnis zu nehmen. Im Gegensatz zum Professor, schien ihn eine Aura der Freundlichkeit zu umgeben. Deutschmann wusste nicht wie ihm geschah, als er sich „ja“ sagen hörte. Hatte Hofbauer ihn gerade gefragt, ob sie zusammen Schach spielen könnten oder spielte ihm sein Unterbewusstsein einen Streich? Nein! Er hatte doch tatsächlich gerade zugestimmt, mit einem völlig Fremden Schach zu spielen. 

   Während Hofbauer seiner großen Freude darüber Ausdruck gab, da sein langjähriger Spielpartner mit seiner Frau in wärmere Gefilde gezogen war, betrachtete Deutschmann ihn unauffällig. Hofbauer war ungefähr in seinem Alter und machte einen gepflegten und offenen Eindruck. Die Augen hinter seiner randlosen Brille schauten erwartungsvoll sein Gegenüber an. Deutschmann schrak auf. „Entschuldigen Sie, ich habe nicht zugehört. Was sagten Sie gerade?“
  „Ich habe mich mit Ewald, meinem früheren Partner, jeden zweiten Tag um achtzehn Uhr im Cafe Engel getroffen. Dort haben wir meistens bis einundzwanzig Uhr gespielt und ein bisschen philosophiert, ehe wir wieder nach Hause gegangen sind. Würde Ihnen das auch passen, oder schlagen Sie etwas anders vor?“
   Deutschmann nickte. „Das passt vorzüglich. Ich freue mich darauf.“  
   Wie gute alte Bekannte verabschiedeten sie sich, als Hofbauer zwei Stationen vor ihm die Straßenbahn verließ. Deutschmann grübelte den ganzen Heimweg über das Erlebte nach, auch noch, als er schon zu Bett ging. Er nahm Hildes Bild in seine Hände und schaute mit brennenden Augen darauf. Eine Welle plötzlicher Erkenntnis durchzog seinen Körper, berührte mit feiner Wärme sein Herz und ließ seine Vermutung zur Wahrheit werden. 
  „Das Buch... der Verschluss...Hildchen, das war dein Werk, habe ich Recht? Danke, dass du immer noch auf mich aufpasst. Konntest meinem Elend wohl nicht länger zuschauen?“